Akkupunktur - was ist das?

Die Akupunktur ist mit ihrer belegten Geschichte von ca. 5000 Jahren wahrscheinlich das älteste medizinische Verfahren, das auf unserer Erde ununterbrochen praktiziert wurde. 1978 veröffentlichte die WHO (Weltgesundheitsorganisation) einen Bericht, in dem Akupunktur offiziell als wirksames und akzeptiertes medizinisches Verfahren anerkannt wurde.

Die Hauptindikation und besondere Wirksamkeit der Akupunktur ist die Behandlung von chronisch-schmerzhaften Erkrankungen, sowie funktionellen und psycho-somatischen Störungen im weitesten Sinne. Viele Funktions- und Befindlichkeitsstörungen, die von der westlichen Medizin nicht weiter diagnostisch und therapeutisch differenziert und dann z.B. unter dem Begriff “vegetative Dystonie” zusammengefasst werden, lassen sich mit der Syndromdifferenzierung der TCM (Traditionellen Chinesischen Medizin) erklären, einordnen und erfolgreich behandeln. Die Akupunktur als weitgehend nebenwirkungsfreie Methode kann bei den nachfolgend aufgeführten Erkrankungen einen lindernden Effekt erzielen.

Hals-Nasen-Ohren-Erkrankungen

  • Geruchsstörungen, Hörsturz, Tinnitus, Schwindel, Ohrenentzündungen, Heuschnupfen, Halsentzündungen, Stimmstörungen, chronische Nasennebenhöhlenentzündung, Geruchsstörung
  • Erkrankungen des Stütz- und Bewegungssystems: Arthrose, HWS-, BWS-, LWS-Syndrom, Tennisarm, Schulter-Arm-Syndrom usw.
  • Neurologische Erkrankungen: Kopfschmerzen, Migräne, Lähmungen, Neuralgien, Parästhesien
  • Psychische und Psychosomatische Erkrankungen: Schlafstörungen, Ängste, Depressionen, Suchterkrankungen
  • Bronchopulmonale Erkrankungen: Bronchitis, Reizhusten, Asthma bronchiale
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Hypertonie, Durchblutungsstörungen, Herzrhythmusstörungen
  • Gastrointestinale Erkrankungen: Magen- Darm-Störungen, Verstopfung, Durchfall
  • Urologische Erkrankungen: Reizblase, Harninkontinenz, Blasenentzündung
  • Gynäkologische Erkrankungen: Geburtsvorbereitung, Zyklusstörungen, Prämenstruelles Syndrom, Wechseljahrsbeschwerden
  • Augenerkrankungen: Konjunktivitis, Visusschwäche
  • Hauterkrankungen: Akne, Neurodermitis, entzündliche Hauterkrankungen
  • Sonstiges: Immunstörungen, Zahnschmerzen, postoperative oder posttraumatische Schmerzen
  • Nikotinentwöhnung und Gewichtsreduktion

Östliches Denken

Die chinesische Medizin ist eine funktionale Medizin. Das bedeutet, dass bei ihr lebendige Abläufe, Lebensfunktionen, aktuelles biologisches oder psychisches Geschehen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen. Die chinesischen Ärzte verstehen den Menschen als ein energetisches Gefüge. Das “energetische Potential”, welches die Chinesen „Qi“ nennen, durchdringt den Körper wie Flüsse und Seen eine Landschaft durchströmen. Nach der Erfahrung der alten Ärzte fließt dieses Qi auf definierten Bahnen (Leitbahnen oder Meridiane). Diese Bahnen leiten das Qi, zyklisch aufeinander folgend, durch den Körper.

Eine der wichtigsten und unverwechselbarsten Theorien der Chinesischen Medizin ist das Yin-Yang-Konzept. Man kann sagen, dass die gesamte Physiologie, Pathologie und Behandlungslehre der chinesischen Medizin letztlich auf Yin und Yang zurückgeführt werden kann.

Yin und Yang repräsentieren gegensätzliche, jedoch einander ergänzende und wechselseitig voneinander abhängige Eigenschaften. Yin steht z.B. für Dunkelheit, Ruhe, Materie, Wasser, für das Weibliche; Yang steht für Helligkeit; Aktivität, Energie, Feuer, für das Männliche.

Was bewirkt Akupunktur?

Durch das Setzten von Nadeln versucht der Therapeut, die im Körper gestörte Beziehung also ein Ungleichgewicht zwischen Yin und Yang wieder herzustellen und eine Stagnation von Qi aufzuheben.

Somit kann nachgewiesenermaßen eine schmerzlindernde, vegetativ ausgleichende, die Abwehrkraft steigernde und heilende Wirkung erzielt werden.

Behandlungsablauf

Beim Einstich spüren Sie eventuell kurz eine minimale unangenehme Empfindung, die dann verschwinden sollte. Wenn der richtige Punkt durch Vorschieben der Nadel getroffen wurde, kann ein unterschiedlich stark ausgeprägtes dumpfes, ziehendes Gefühl oder eine Wärmeempfindung, aber auch ein Gefühl wie ein Stromschlag entstehen, die zum Teil ausstrahlen kann. Diese Empfindung nennen die Chinesen “De-Qi”, welches meist nach einigen Minuten nachlässt. Der Therapeut wählt pro Sitzung zwischen 6 und maximal 16 Nadeln. Während der Nadelung sollten Sie möglichst ruhig sitzen oder liegen. Bei Schmerzen (z.B. nach Bewegung) oder sonstigen unangenehmen Symptome, informieren Sie bitte sofort eine Arzthelferin, indem Sie die Klingel drücken.

Üblicherweise bleiben die Nadeln ca. 20 Minuten liegen und man geht von insgesamt 10 Sitzungen aus, die 1-2 mal pro Woche stattfinden sollten.

Nebenwirkungen

Bei richtiger Anwendung ist die Akupunktur praktisch nebenwirkungsfrei. In seltenen Fällen kann es zu einer vegetativen Kreislaufreaktion, kommen, die durch sofortige Nadelentfernung und Lagerungsmaßnahmen zu beheben ist. Selten sind kleinere Blutergüsse. Möglich sind auch das Auftreten von Müdigkeit sowie eine vorübergehende Verschlechterung des Krankheitsbildes. Nach einer Wärme-behandlung mit Infrarot sollten Sie bitte zunächst nichts Kaltes trinken oder essen, um die Wärmewirkung auszunutzen.

Chinesische Arzneimitteltherapie, Kräutermedizin

In China spielt der Einsatz von Heilkräutern eine sehr wichtige Rolle. Dort werden ca. 2/3 aller Erkrankungen nur mit Kräutern therapiert. Im Westen ist der Anteil viel geringer. Von mehreren tausend Kräutern aus vorwiegend pflanzlichen, aber auch tierischen und mineralischer Herkunft, werden tatsächlich nur ca. fünfhundert klinisch eingesetzt.

Nach ausführlicher Anamnese, Zungen- und Pulsdiagnostik kann der Arzt eine speziell auf Sie zugeschnittene Kräutermischung verschreiben, welche die Akupunkturbehandlung unterstützen und die Wirkung verlängern kann. Meist wird vom Arzt eine Kombination von mehreren verschiedenen Kräutern ausgesucht, die vom Patienten in unterschiedlichen Darreichungsformen eingenommen werden können, z.B. als Dekokt (ähnlich einer Teemischung) oder ganz unkompliziert in Form von Tropfen, Granulat oder Tabletten.

Kosten

Die Akupunktur im HNOGebiet ist keine kassenärztliche Leistung und wird Ihnen privat berechnet. Einzelne gesetzliche Krankenkasse erstatten diese jedoch. Bitte erkundigen Sie sich bei Ihrer Krankenkasse.